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Bare Metal Switches - Vor- und Nachteile der ODM Switches

Updated on Jul 12, 2022
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Was ist ein Bare Metal Switch?

Bare Metal Switches sind besonders, da sie sogenannte Original Design Manufacturer (ODM) Switches sind. Das bedeutet, dass auf ihnen kein Betriebssystem vorinstalliert ist. Sie geben dem Nutzer also, im Gegensatz zu herkömmlichen Switches, die Freiheit, ein Betriebssystem seiner Wahl zu installieren. Diese klare Trennung von Software und Hardware ermöglicht dem Kunden oft erhebliche Ersparnisse in Sachen Investitions- und Betriebskosten. Durch den Community- und DevOps-Ansatz haben Nutzer von Bare Metal Switches zudem deutlich schneller Zugriff auf technische Innovationen als Nutzer herkömmlicher Switches.

Was sind die Unterschiede zwischen den verschiedenen Switches?

Grundsätzlich kann man zwischen vier verschiedenen Arten von Switches unterscheiden: proprietäre Switches, Bare Metal Switches ohne Markennamen, White Box Switches sowie Bare Metal Switches mit Markennamen. Doch wo genau liegen die Unterschiede zwischen den einzelnen Switch Arten? Hier eine kleine Übersicht:

Proprietäre Switches

Proprietäre Switches sind im Grunde genommen spezifisch für den jeweiligen Kunden entwickelte Switches. Früher wurde ein Großteil der Switches speziell auf den Kunden zugeschnitten. Heutzutage ist dies zwar auch noch recht üblich, allerdings wird ein Drittel aller Switches mit handelsüblichen, generischen Komponenten gebaut. Außerdem gilt ein Switch heute schon als proprietär, wenn der anwendungsspezifische integrierte Schaltkreis (ASIC) speziell für den Kunden entwickelt und kein handelsüblicher Silizium-ASIC, etwa von Broadcom oder Intel, verwendet wurde. Alle anderen Komponenten wie Lüfter, Kondensatoren oder Anschlüsse sind in der großen Mehrheit der Fälle auch bei diesen proprietären Switches generisch. Dies hat vor allem wirtschaftliche Gründe. Hier gilt das einfache Prinzip „Economies of Scale“ - je größer die Stückzahl, die von einer Komponente identisch produziert wird, desto stärker sinken die Produktionskosten. An dieser Stelle einen direkten Vergleich zwischen proprietären Switches und Bare Metal Switches zu ziehen, fällt schwer. In einigen Fällen kann sich der Einsatz eines speziell auf die eigenen Bedürfnisse zugeschnittenen Switches definitiv lohnen. In anderen Fällen sind sie ein teurer Luxus, der nicht unbedingt notwendig ist und sogar mehr Aufwand mit sich bringt.

Bare Metal Switches ohne Markennamen

Bei den Bare Metal Switches ohne Markennamen handelt es sich um die eingangs schon erwähnten Switches von ODMs. Auf ihnen ist kein Betriebssystem vorinstalliert. Beispiele für solche ODMs sind Alpha Networks oder Accton. Diese entwickeln und produzieren Bare Metal Switches genau nach den Vorgaben anderer Unternehmen, woraufhin die Switches unter anderen Namen vertrieben werden. Acctons Switches sind beispielsweise unter der Marke Edge-Core zu erwerben.

White Box Switches

White Box Switches sind im Prinzip Bare Metal Switches, die ein vorinstalliertes Betriebssystem verwenden. Die ASICs der meisten dieser WhiteBox Switches verwenden Silizium von Drittherstellern, so etwa viele Produkte von HP und alle Produkte von Arista. Viele Kunden denken, dass diese Anbieter nur proprietäre Switches verkaufen, um ihre Produkte teurer anbieten zu können, was in der Realität aber nicht zutrifft. Gerade Hersteller wie HP und Arista bieten schon seit Jahren White Box Switches an, die verständlicherweise aber nicht so stark beworben werden wie ihre proprietären Geschwister. Seit einiger Zeit setzen die meisten Hersteller bei der Entwicklung und Produktion von White Box Switches auf Broadcom Trident II-ASICs.

Bare Metal Switches mit Markennamen

Diese Switches sind Bare Metal Switches, die im Gegensatz zu ihren völlig frei konfigurierbaren Gegenstücken aber mit einer Erstausrüster (OEM) Marke versehen sind, zum Beispiel von HP oder Dell. Das bedeutet, dass die Kunden dazu gezwungen sind, das Betriebssystem der jeweiligen Marke herunterzuladen. Vorteil dabei: Der Service sowie der Support des Herstellers sind oftmals deutlich besser als bei klassischen Bare Metal Switches, da die jeweilige Marke Ansprechpartner sowohl bei Fragen zur Hardware als auch zur Software ist.

In der folgenden Tabelle können Sie sich die Unterschiede zwischen den einzelnen Switch Arten noch einmal genauer vor Augen führen. Dies macht durchaus Sinn, um in der Lage zu sein, eine fundierte Entscheidung über die beste Wahl für Ihr Unternehmen zu treffen.

Warum sollten Sie Bare Metal Switches im Rechenzentrum verwenden?

Bare Metal Switches gibt es von einer ganzen Reihe an Herstellern, unter anderem von Alpha Networks oder von Accton. Hier offenbart sich ein Nachteil von Bare Metal Switches gegenüber klassischen Switches: Die Garantie für die Switches ist häufig sehr begrenzt und gilt nur für die Hardware selbst. In Sachen Software liegt die Verantwortung voll und ganz beim Nutzer, der sich auch selbst um die Beschaffung, die Einrichtung und die Sicherheit eines für seine Zwecke passenden Netzwerkbetriebssystems kümmern muss. Systeme die hierfür in Frage kommen sind etwa Cumulus Linux OS, Big Switch Light OS oder Pica8 PicOS. Viele größere Unternehmen, vor allen Dingen im Tech-Bereich, setzen zudem auf eigens entwickelte Betriebssysteme, zum Beispiel bei Facebook.

Dieser Nachteil wird dafür von einigen klaren Vorteilen mehr als aufgewogen. Zuerst einmal: Bare Metal Switches sind in der Anschaffung größtenteils deutlich günstiger als proprietäre Switches, da sie nicht für jeden Kunden neu entwickelt werden müssen, sondern in Massenproduktion hergestellt werden können.

Der wohl größte Vorteil von Bare Metal Switches ohne vorinstalliertem Betriebssystem ist aber genau das: Der Kunde kann sich seinen Switch selbst konfigurieren, ganz ohne Einschränkungen vonseiten des Herstellers. Kaufen Sie stattdessen einen Switch von Juniper, sind Sie auch auf Junos angewiesen, genauso wie Sie beim Kauf eines Switches von Cisco auf Cisco IOS angewiesen sind. Auch sämtliche Applikationen von Drittentwicklern können Sie daher ohne softwareseitige Einschränkungen verwenden.

Zudem sind Switches von großen Marken wie Dell, HP oder Cisco häufig nur mit ganz bestimmtem Zubehör, etwa Transceivern, kompatibel. Bare Metal Switches bieten den großen Vorteil der Kompatibilität mit oft deutlich günstigerem, aber keinesfalls schlechterem Zubehör von Drittherstellern.

Genau diese Punkte sind auch die Gründe, wieso sich Bare Metal Switches in großen Rechenzentren mehr und mehr etablieren werden. Bare Metal Switches überflügeln herkömmliche Switches von renommierten Marken in Sachen Kosten und Flexibilität deutlich. Die Auswahl aus Betriebssystemen verschiedener Hersteller ermöglicht es Betreibern von Rechenzentren, ihre Switches besser auf individuelle Bedürfnisse abzustimmen.

Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist, vor allem wenn Ihr Unternehmen viele Switches verwendet, deutlich besser als bei proprietären Switches oder Switches mit vorinstallierter Software. Dies gilt vor allen Dingen dann, wenn man auch Zubehör wie Transceiver in die Kosten-Nutzen-Rechnung mit einbezieht.

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